d9c275fabe69a03f87605642980fb0a9
Digital Humanities

Rilke und Andreas-Salomé – eine Dichterliebe oder eine Liebe zur Dichterin?

Sie war 36 Jahre alt als ihr Rainer Maria Rilke vorgestellt wurde. Er war gerade einmal 21 und ließ sich noch René nennen. Es muss ein mächtiger Fanboy-Moment für ihn gewesen sein, denn er hatte von Lou Andreas-Salomé schon Texte gelesen, verehrte sie und hatte ihr auch bereits anonym ein Gedicht zugeschickt, um ihr seine Bewunderung zu bezeugen. Natürlich wurden sie ein Liebespaar; würde ich sonst heute diesen Artikel schreiben? Aber natürlich interessiert mich nicht hauptsächlich ihre Liebesgeschichte, sondern hauptsächlich wie, bzw. ob sich die Verbindung zwischen Rilke und Andreas-Salomé in ihren Werken zeigt. Und wenn ja, zeigt sie sich auf ähnliche Weise wie die frühere Bekanntschaft von Andreas-Salomé zu Nietzsche, über die ich im letzten Digital-Humanities-Blog-Artikel geschrieben habe?

Rilke und Andreas-Salomé – ein berühmtes Liebespaar

Seit ich mich näher mit dem Leben und Schreiben von Lou Andreas-Salomé beschäftige, habe ich den Ausdruck Amour fou innerhalb von kürzester Zeit wahrscheinlich öfter gelesen als je zuvor in meinem ganzen Leben. Lou und ihr Lehrer – Amour fou! Andreas-Salomé und Paul Rée – Amour fou! Lou und Nietzsche – Amour fou! Das Dreieck aus Lou und Rée und Nietzsche – Amour très très fou! Lou und ihr Mann Prof. Andreas – Amour irgendwie auch fou, aber aus anderen Gründen. Und ratet einmal, wie man ihre Liebe zu Rilke bezeichnet hat? Ja, na klar, Amour fou. Ich meine 36 und 21? Hallo! Na ja, und da war natürlich auch noch die Ehe von Andreas-Salomé, die dem ganzen ein bisschen im Weg war, aber nicht so sehr, dass Rilke nicht hätte mit einziehen können.

Abgesehen davon, dass diese Liebe natürlich schon mehr als nur ein wenig unkonventionell gewesen zu sein scheint, kann ich daran allerdings nicht viel Verrücktes erkennen. In ihren Memoiren schreibt Lou darüber jedenfalls mit viel Ruhe und Sanftheit. Gemeinsam lebten sie in dörflicher Idylle zusammen, gingen im Wald spazieren, kochten gemeinsam. Lou berichtet uns von Reisen in ihre Heimat Russland. Sie besuchten ihre Familie genauso wie den Literaten Tolstoj. Beim Lesen ihrer Erinnerungen zeigt sich, wie gut Andreas-Salomé mit den Künstlern ihrer Zeit vernetzt war. Das einzige, was die Liebe von Lou und Rainer ernsthaft belastet zu haben scheint, ist der geradezu zwanghafte Schaffensdrang Rilkes, ein Druck, unter dem er gelitten hat. Schließlich ist es wohl auch diese psychische Anspannung gewesen, die die beiden auseinander brachte. Sie sollten aber bis zu Rilkes Tod tatsächlich Freunde bleiben.

Eine stilometrische Analyse zeigt: Rilke und Andreas-Salomé standen einander nahe

Nun wäre die romantische Verbindung zweier Schriftsteller wie die von Rilke und Andreas-Salomé allein schon ein Anlass, um mal zu schauen, ob sich eine solche Zweisamkeit auch auf die literarischen Werke niederschlägt. Im Fall dieser Analyse bin ich allerdings anders herum über die textliche Nähe der beiden gestolpert. Eigentlich wollte ich nämlich einmal schauen, ob die gut vernetzte, frei und unabhängig lebende Lou Andreas-Salomé gemeinsam mit den Schriftstellerinnen ihrer Zeit für ein weibliches Schreiben stand. Ich suchte also eigentlich nach einer Nähe ihrer Texte zu denen anderer Autorinnen. Darum machte ich eine stilometrische Analyse mit Texten von ihr und Zeitgenossen, mit denen sie bekannt war. Dazu gehörten Nietzsche, Meysenbug, Freud, von Bülow, Boelsche und Wassermann. Verglichen wurden statistische Worthäufigkeiten. Übrigens, wenn du mehr über die Methode der digitalen Stilometrie erfahren möchtest, schau doch einmal hier nach.

Weibliches Schreiben? Sieht man hier nicht wirklich!

Zunächst einmal habe ich eine einfache Clusteranalyse durchgeführt. Dabei wurden die relativen Häufigkeiten der 500 häufigsten Wörter aller Texte im Corpus miteinander verglichen. Heraus kam diese Grafik:

Eine Clusteranalyse der Texte von Lou Andreas-Salomé und einigen ihrer Zeitgenossen zeigt: Rilke und Andreas-Salomé standen sich nicht nur menschlich, sondern auch schriftstellerisch nahe.
#Literatur #Bildung #angewandteWissenschaft

Wie du siehst, bilden die meisten Autoren ein eigenes Cluster. Davon gibt es drei Ausnahmen:

  1. Nietzsches “Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik” clustert bei Andreas-Salomés theoretischen Texten
  2. Malwida Meysenbugs “Erinnerungen einer Idealistin” clustern ebenfalls bei Lou Andreas-Salomés theoretischen Texten
  3. Rilkes Erzähltexte clustern bei Lou Andreas-Salomés Erzähltexten

Nun haben ich über den ersten Befund schon ausführlich in diesem Artikel geschrieben. Der zweite lässt sich damit erklären, dass Meysenbug in ihren Erinnerungen auch über Lou Andreas-Salomé schreibt. Zu dem Dritten habe ich weitere Analysen gemacht, deren Ergebnisse ich dir hier präsentieren möchte. Was sich hier übrigens definitiv nicht zeigt, sind Cluster männlicher und weiblicher Autor*innen.

Digitale Literaturanalyse – das ist doch eine Black Box, oder?

Stilometrische Analysen wie die, die ich hier durchgeführt habe, haben einen kleinen Nachteil. Durch die Verarbeitung großer Datenmengen – 100, 500 oder gar 1000 häufigste Wörter in 10, 15, 50, 75 oder noch mehr Texten – verliert man schnell den Überblick. Zumindest, wenn man überhaupt in die Wortfrequenzlisten und Häufigkeitstabellen hineinschaut, die das Stilometrie-Tool einem erstellt. Das Tool, das ich immer nutze, heißt übrigens Stylo und kann zusammen mit dem Statistik-Programm R genutzt werden. Oder, noch schlimmer, man lässt sich von den schnell erstellten, schönen, bunten Grafiken dazu verleiten, gleich die erste für die eigene Interpretation zu nutzen. Kurz, man kann sich schon mal verleiten lassen, dieses Tool als eine Art Black Box zu nutzen, ohne allzu viel über die Berechnungen und Auswertungen zu wissen.

Aber man kann auch die vielen Funktionen des Tools nutzen, um immer weiter in die Beziehungen zwischen den Texten einzutauchen. Ich habe hier z.B. immer wieder anders zusammen gesetzte Korpora verwendet, immer wieder andere Features des Tools genutzt. Darunter ist auch eine Funktion, die selbst schon verhindert, dass einfach schnell eine einzige Auswertung erstellt und analysiert wird, der Bootstrap Consensus Tree. Hier werden nämlich mehrere Analysen mit jeweils leicht veränderten Parametern (so etwas wie Anzahl der betrachteten häufigsten Wörter) erstellt. Am Ende werden dann nur die Phänomene gezeigt, die in einem bestimmten Prozentsatz der Analysen immer wieder auftauchen. Diesen Prozentsatz legst du natürlich selber fest.

Abonniere
Lebe lieber literarisch

Blog und Podcast

Wöchentlich News zu den Themen Literatur, Kultur, Digital Humanities und Bloggen für Geisteswissenschaftler*innen

Invalid email address
Probiere es einfach mal aus. Du kannst dich jederzeit vom Newsletter abmelden.

Im zweiten Schritt dieser Analyse habe ich also genau so einen Bootstraps Consensus Tree erstellt. Um ehrlich zu sein, habe ich sogar auch davon wieder mehrere gemacht. Aber hier kommt einer, der ein durchaus typisches Ergebnis zeigt:

Eine Clusteranalyse der Texte von Lou Andreas-Salomé und einigen ihrer Zeitgenossen zeigt: Rilke und Andreas-Salomé standen sich nicht nur menschlich, sondern auch schriftstellerisch nahe.
#Literatur #Bildung #angewandteWissenschaft

Wieder sehen wir die Nähe von Rilkes Erzähltexten zu denen von Andreas-Salomé. Es ist aber hier noch etwas interessant. Die Texte von Frieda von Bülow, einer Freundin von Lou stehen nämlich auch mit im Cluster von Rilke und Andreas-Salomé.

Wer inspirierte hier wen?

Wenn du bereits meinen Artikel zum Begriff der Muse gelesen hast und auch die stilometrische Analyse von Nietzsche und Andreas-Salomé, dann hast du schon ein ziemlich genaues Bild davon, was für eine Persönlichkeit Lou Andreas-Salomé hatte. Sie war sehr gesellig, neugierig, tauschte sich gern aus und war sehr unabhängig. Außerdem schrieb sie viel und sehr unterschiedliches. Sie tauschte übrigens auch gerne Briefe aus. Bei all dem Austausch mit anderen Künstlern ist es natürlich möglich, dass sie sich inspirieren ließ, Redewendungen übernahm oder bestimmte Wörter häufiger in ihre eigenen Formulierungen einfließen ließ. Um dem nachzugehen habe ich mehrere so genannten Rolling Delta Abfragen erstellt.

Ähnlichkeiten von Andreas-Salomés Texten zu denen von Rilke:

Rilke und Andreas-Salomé standen sich nahe. Inwiefern hat sie ihn, hat er sie oder haben sie sich gegenseitig inspiriert? Die Antwort verbirgt sich in diesen Grafiken.
#Bücher #Schreiben #Literaturwissenschaft

Du siehst hier jeweils einen Text von Lou Andreas-Salomé, der quasi die horizontale Achse darstellt, also unten “liegt”. Darüber zeigen die krakeligen Linien Vergleiche mit zufällig durcheinander gewürfelten Abschnitten aus anderen Texten. Dabei handelt es sich um Texte von Lou und auch von Rilke. Ist ein Punkt nah an der horizontalen Linie, so ist das Wortmaterial in der Passage dem des Basis-Textes ähnlich. Bei den oberen drei Grafiken zeigt sich ein hübsches Bild. Die Texte von Andreas-Salomé (Blautöne) sind der Basislinie näher als die von Rilke (Rottöne).

Aber was ist das beim vierten Text? Plötzlich durchbrechen sich die Linien und manchmal kommen rötliche Linien der Basislinie nahe. Diese stellt übrigens den Text “Ruth” dar. Einen Erzähltext von Andreas-Salomé, den sie vor der Begegnung mit Rilke veröffentlichte und den er gelesen hat, bevor sie sich kennen lernten. Also hat er sich als Leser von ihren Texten inspirieren lassen? Wir machen die Gegenprobe und nehmen Rilkes Texte als Basislinie!

Ähnlichkeiten von Rilkes Texten zu denen von Andreas-Salomé:

Rilke und Andreas-Salomé standen sich nahe. Inwiefern hat sie ihn, hat er sie oder haben sie sich gegenseitig inspiriert? Die Antwort verbirgt sich in diesen Grafiken.
#Bücher #Schreiben #Literaturwissenschaft

Tatsächlich ergibt sich hier ein viel weniger klares Bild. Immer wieder rutschen die blau-grünen Linien, die für Andreas-Salomés Texte stehen unter die rötlichen, die Rilkes eigenes Wortmaterial zeigen. Besonders in der mittleren Grafik fällt das auf. Hier repräsentiert die Basislinie “Das Märchen von den Händen Gottes”. Wenn du meinem bereits erwähnten Artikel zum Vergleich von Andreas-Salomé und Nietzsche gelesen hast, denkst du jetzt wahrscheinlich “ah, klar”. Denn Religion war für Lou schon immer ein Thema, eines das sie übrigens auch mit Nietzsche verband.

Bei der hier ganz unten stehenden Grafik gibt es übrigens noch eine Besonderheit. Hier habe ich als Basislinie einen Sammlung von Erzählungen aus den Jahren 1893-1899 genommen. Das heißt, dass darin Texte enthalten sind, die vor der Begegnung mit Lou geschrieben wurden und Texte, die während ihrer gemeinsamen Jahre entstanden. Tatsächlich gibt es im letzten Fünftel etwa eine Tendenz der Annäherung aller Linien an die Basislinie. Auch die Linien, die für Lous Texte stehen rücken nun näher an die Erzählungen heran. Der Stil Rilkes wird also tatsächlich in den später geschriebenen Erzählungen dem von Lou Andreas-Salomé ähnlicher.

Passagen aus Rilkes Texten erinnern vom Wortmaterial her an die von Lou Andreas-Salomé

Ich habe über diesen Grafiken lange gesessen und gegrübelt. Denn wenn die beiden nun zusammen einen ähnlichen Stil entwickelt haben, warum zeigt sich das so viel weniger, wenn die Texte von Andreas-Salomé die Basislinie bilden? ich interpretiere das so: Die Texte von Rilke zeigen immer einmal wieder Passagen, die im Wortmaterial dem Stil von Andreas-Salomé ähneln. So sehr, dass Lous Texte diesen Passagen näher kommen als Rilkes eigenen. In den Texten von Andreas-Salomé sind hingegen sehr viel weniger Passagen, die vom Wortmaterial her an Rilkes Schreiben erinnern. Hier bleiben meist ihre eigenen Texte ähnlicher als die von Rilke.

Wie stark ähneln sich Rilke und Andreas-Salomé im vergleich zu Andreas-Salomé und Nietzsche?

Bei einer der letzten Analysen, die ich zum Vergleich der Texte von Rilke und Andreas-Salomé machte, wurde ich noch einmal sehr überrascht. Bei dieser Abfrage werden Wortgruppen aus den häufigsten Wörtern der zu vergleichenden Autoren gemacht. Jeder Autor bekommt eine Farbe und ein Symbol zugewiesen. Wörter, die in Texten von beiden häufig sind und somit quasi das gemeinsame Wortmaterial bilden, werden in einem Überschneidungsbereich angezeigt. Und siehe da, dieser Überschneidungsbereich fällt bei Rilke und Andreas Salomé recht klein aus. Angesichts der oben gezeigten Ähnlichkeitsphänomene hätte ich da durchaus mehr erwartet. Vor allem finde ich aber interessant, dass das gemeinsame Wortmaterial weit weniger Wörter umfasst als beim Vergleich von Andreas-Salomé und Nietzsche. Schau:

Schriftsteller, die zusammen arbeiten, verwenden manchmal ähnliche Wörter. Lou Andreas-Salomé teilte sowohl eine Zeit ihres Lebens als auch einen Teil ihres Wortschatzes sowohl mit Nietzsche als auch mit Rilke. Allerdings teilte sie mehr Wörter mit Nietzsche. Warum war das so?
#Edutainment #Bücher #Wissenschaft

Was sagen uns die Quellen?

Und dies war der Punkt, an dem ich dann wieder tief in die Texte eingetaucht bin, die Lou Andreas-Salomé über sich, ihre Beziehung zu Nietzsche, ihre Zeit mit Rilke und über dessen Leben schrieb. Denn ähnlich wie bei Nietzsche hat Andreas-Salomé auch über Rilke einen biografischen Text geschrieben. Den Eindruck, den ich gewonnen habe, möchte ich dir kurz zusammen fassen.

Nitzsche und Andreas Salomé

Als Lou Andreas-Salomé Nietzsche kennenlernte, kannte sie bereits einige seiner Texte. Sie war angetan von diesem großen Denker, analysierte ihn in seinem Genie und schrieb noch während ihrer Freundschaft an einer Biografie über ihn. Während der gemeinsamen Zeit, die nicht sehr lang war, diskutierte sie leidenschaftlich mit ihm. Sie führten ausgedehnte Gespräche über theoretische Themen und sie bekam das Gefühl, dass sie gemeinsam, in die gleiche Richtung dachten. Ihre theoretischen Texte zeigen starke Ähnlichkeiten mit dem Frühwerk Nietzsches, welches sie als Leserin für ihr eigenes Schaffen inspirierte. Trotz ihrer intensiven Zeit blieb Nietzsche für sie immer Nietzsche.

Rilke und Andreas-Salomé bzw. Rainer und Lou

Von Rilke hatte Lou Andreas-Salomé ebenfalls etwas gelesen, bevor sie ihn kennen lernte. Doch, wie sie selbst in ihren Memoiren schrieb, verstand sie seine frühe Lyrik nicht wirklich. Er schrieb ihr noch vor ihrer Bekanntschaft einen anonymen Brief, schickte ihr auch ein Gedicht zu. Er hatte ihren Roman “Ruth” gelesen und war tief beeindruckt von ihrem Text “Jesus der Jude”. Als sie einander kennenlernten, verliebten sie sich ineinander. Zwar sieht Andreas-Salomé auch in Rilke ein Genie, doch dieses Mal scheint es nicht das zu sein, was sie primär interessiert. Stattdessen hebt sie in ihren Memoiren vor allem seine unendlichen Reinheit im Wesen hervor.

Natürlich kann es auch daran liegen, dass sie mit Rilke viel mehr Zeit verbrachte als mit Nietzsche, die beiden Schriftsteller waren schließlich einige Jahre lang ein Paar, während die Zeit mit Nietzsche nur kurz währte. Doch beim Lesen von Lous eigenen Erinnerungen bekommt man das Gefühl, dass sie viel mehr am Menschen Rilke interessiert war als am Dichter. Zwar berichtet sie auch davon, dass sie mit Rilke zusammen dessen Texte gelesen habe und wahrscheinlich haben sie bei diesen Gelegenheiten auch darüber gesprochen. Und doch bekommt man das Gefühl, dass solche Arbeitsgespräche zwischen Rilke und Andreas-Salomé weniger bedeutsam waren als zwischen Lou und Nietzsche.

An Nietzsche hat sie wohl mehr das Genie fasziniert als der Mensch. Darum blieb Nietzsche für sie immer Nietzsche, während sie von Rilke immer als Rainer spricht. Fast bekommt man das Gefühl, dass sie Nietzsche aufgrund seines Genies so sehr mochte, Rilke hingegen eher trotz seines Genies, das für ihn persönlich zeitlebens eine seelische Belastung gewesen zu sein scheint.

Das Autorenleben im Fokus?

Schwuppdiwuppdi sind wir ganz tief im Leben dieser Autoren gelandet. Wie sind wir dahin gekommen? Und dürfen wir überhaupt hier sein, nachdem Barthes und Foucault uns ermahnt haben, den Autor gefälligst außer Acht zu lassen und uns auf die Texte zu konzentrieren? Aber das witzige ist ja, dass wir genauso an diesen Punkt gekommen sind. Wir haben uns nur auf die Texte konzentriert. Haben sie statistisch ausgewertet. Haben das Wortmaterial betrachtet. Mehr Fokus auf den Text geht eigentlich gar nicht. Und trotzdem sind wir ziemlich schnell an den Punkt gekommen, an dem sichtbar wurde, dass Beziehungen, Freundschaften, gemeinsames Arbeiten sich natürlich in einem schriftstellerischen Werk niederschlagen.

Was ich noch nicht erwähnt habe und wozu mir hier auch eigentlich der Platz fehlt, ist, dass ähnliche sich Ähnlichkeiten wie die zwischen den Texten Rilkes und Andreas-Salomés auch zwischen den Texten von Lou und ihrer Freundin Frieda von Bülow zeigen. Und auch hier finden wir in Memoiren und Biografien den Hinweis, dass die Freundinnen immer gern miteinander diskutiert haben. Wie könnte sich dieses gemeinsame Sprechen über Themen wohl nicht auch auf das Schreiben auswirken? Das heißt nicht, dass man meiner Meinung nach in Analysen ständig nach dem Autorenleben fragen sollte. Aber wie es scheint, darf man doch auch das schriftstellerische Leben und Wirken ruhig ein bisschen ganzheitlicher betrachten.

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.